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„Mit Grips bin ich schneller" Projekt Selbstständig im Alter bietet Senioren gezielte Übungen für Körper und Geist

VON SABINE OSCHMANN KASSEL, HNA

Zitrone, Bittermandel, Lavendel? Oder doch eher Mandelblüte? Intensiv schnuppern die Frauen an dem Fläschchen, das reihum geht, inhalieren mit geschlossenen Augen den Duft und wedeln sich dann mit einem „puuh" die Nase frei, ehe gleich der nächste Duft kommt. Gar nicht so einfach, Gerüche sicher zu bestimmen, stellen die Seniorinnen fest und diskutieren lebhaft miteinander. Den Klassiker Tosca erkennen viele auf Anhieb, die Latschenkiefer beschreiben sie als „irgendwas Medizinisches". Die Düfte „erschnuppern" die Frauen zwischen 65 und 89 Jahren im Rahmen eines Gedächtnistraining- Kurses im Aschrottheim.

In den vorhergehenden Sitzungen ging es um Fühlen, Schmecken, Sehen, berichtet Birgit Lühmann. Als gerontopsychiatrische, das heißt in Altersmedizin geschulte Fachkraft ist sie im Aschrottheim tätig. Dort und in der Altenbegegnungsstätte der Friedenskirche leitet sie zusammen mit Katja-Maria Grotthaus, gelernte medizinischtechnisch Assistentin, das Grips-Gedächtnistraining. Lühmann und Grotthaus sind außerdem angehende Trainerinnen im Senioren-Projekt Sima (Selbstständigkeit im Alter). Wie die munteren Frauen alle Sinne schärfen, körperlich und geistig beweglich bleiben, Altersbeschwerden ausgleichen, Freude am Leben haben trotz nachlassender Kräfte und Fähigkeiten, das wollen die Sima-Trainerinnen in ihren Grips-Kursen vermitteln. „Wichtig ist anzuerkennen, dass man älter wird und manche Beschwerden auftreten", erklärt Grotthaus. „Und dem sollte man sich ganz früh stellen", betont Grips-Teilnehmerin Ingeborg Richter (70). Sie will, wie auch Brigitta Siebert-Horvath und Margarete Creuzfeld (81), das Gedächtnis trainieren. „Seitdem ich hier mit den anderen Grips mache, bin ich schneller", erzählt Lieselotte Walper (71) augenzwinkernd. Neben dem Gedächtnistraining gehören vielfältige Bewegungsübungen und Wissenstraining zum Kurs. Dabei geht es entspannt und heiter zu. Und einig sind sich die Seniorinnen darin, dass Frauen viel mehr tun, um im Alter fit zu bleiben. Der nächste Kurstermin steht noch nicht fest. Informationen gibt Tel. 93 76 40

 

HINTERGRUND Projekt der Stadt und des evangelischen Stadtkirchenkreises

„Grips - kompetent im Alter" ist ein gemeinsames Projekt des Referats für Altenarbeit der Stadt Kassel und des Seniorenkreises des evangelischen Stadtkirchenkreises Kassel. Es bietet Hilfen für ältere Menschen vor allem für den Bereich Gesundheit. Gedächtnis, Beweglichkeit und Alltagskompetenz pflegen die Sima-Trainerwie Katja-Maria Grotthaus und Birgit Lühmann. Sima -Trainer stärken die Bedürfnisse von älteren Menschen mit dem Ziel, ihre Selbstständigkeit zu fördern und Demenz (Altersverwirrtheit) zu verhindern. Das Sima-Konzept wurde an der Universität Nürnberg- Erlangen entwickelt und ist das erste wissenschaftlich langfristig begleitete Trainingsprogramm für Senioren. In Kassel sind derzeit 64SimATrainer ehrenamtlich im Einsatz, (pom)